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Politik trifft Wirtschaft

Wirtschaftsjuniorin Silke Hörauf (PFAFF Industrial) berichtet über eine Woche 
zu Gast bei Gustav Herzog im Dt. Bundestag. Berlin, 09. – 13.05.2011
Wowereit, Hörauf, Herzog

Eintauchen in eine andere Welt, die „Firma“ Bundestag eine ganze Woche begleiten, die Arbeit im Bundestag verstehen lernen, was passiert hinter den Kulissen, in den Büros der Abgeordneten?

Welche Inhalte und Aufgaben sind hier Tag für Tag zu bewältigen? Diskussionsrunden mit Spitzenpolitikern aller Fraktionen, Interessen der Wirtschaft vor Ort kommunizieren … 
 
Gemeinsam mit rund 200 anderen Wirtschaftsjunioren und Bundestagsabgeordneten hatte ich die einmalige Chance den Berliner Politikbetrieb vom 09.–13.05.2011 im Rahmen des Projekts „Know-how-Transfer“ der WJ Deutschland hautnah zu begleiten.
 
 
Jeder Wirtschaftsjunior wird vor Projektbeginn einem Bundestags-Abgeordneten zugeordnet. Dabei werden Wünsche für einen best. Abgeordneten, Parteizugehörigkeit, Nähe zur Region sowie inhaltliche Themenschwerpunkte soweit möglich berücksichtigt. Wer wäre also für eine/n Wirtschaftsjunior/in aus Kaiserslautern besser geeignet als SPD-Bundestagsabgeordneter Gustav Herzog
 
Der Know-How-Transfer wird v.a. durch die Kombination seiner verschiedenen Bausteine zu einem einmaligen, vielseitigen und äußerst interessanten Projekt. Aus diesem Grunde möchte ich die einzelnen Punkte jeweils kurz anreißen:

 
Begleitung des Abgeordneten während der Sitzungswoche

 
“Heimat-Basis“ der Wirtschaftsjunioren ist in dieser Woche das Abgeordnetenbüro im Dt. Bundestag. Im Büro von Gustav Herzog im Paul-Löbe-Haus sind derzeit zwei Mitarbeiter beschäftigt, die ihn sowohl bei fachlichen Themen im Bereich Verkehr, als auch bei Anliegen aus dem Wahlkreis tatkräftig unterstützen. Für die Abgeordneten ist in den 22 Sitzungswochen im Jahr in Berlin (neben der Arbeit im Wahlkreis in den restlichen Wochen) ein straffes Programm vorgegeben. Um neben der Arbeit in Arbeitsgruppen /-kreisen und Ausschüssen die Büroarbeit zu bewältigen, beginnt der Arbeitstag Gustav Herzogs in der Regel um 7:00 Uhr und endet spät abends. 


 
Neben der Arbeitsgruppe Verkehr begleitete ich Gustav Herzog außerdem u.a. zur Ausschuss-Sitzung Verkehr, zur Fraktionssitzung der SPD (was lt. WJ Dtld. ein absolutes Privileg der WJ beim KHT sei, da die Fraktionssitzungen i.d.R. für Besuchergruppen nicht zugänglich sind), zum Frühlingsfest der Parlamentarischen Gesellschaft und zum DGB-Empfang im Fernsehturm am Alexanderplatz (hier entstand auch das Foto mit Gustav Herzog und Klaus Wowereit). Darüber hinaus nahm ich an Diskussionsrunden mit Schülergruppen, dem Büroalltag und der Büro-Besprechung teil. Neben dem offiziellen Plenarbesuch über die WJ, haben die Abgeordneten zusätzlich die Möglichkeit Plenarbesuche im Rahmen des Fraktions-Kontingents zu organisieren. Dadurch konnte ich eine sehr interessante Plenarsitzung zum Thema „Arbeitnehmerfreizügigkeit“ und „Mindestlohn“ mitverfolgen.
 
Rahmenprogramm der WJ Deutschland

 
Demonstration gegen den Fachkräftemangel am Pariser Platz – Podiumsdiskussionen – Diskussionsrunden mit Spitzenvertretern der einzelnen Fraktionen: hier bietet sich die Gelegenheit Fragestellungen der Wirtschaft und Anliegen aus der Praxis den Akteuren der Politik näher zubringen. (FDP: Birgit Homburger - wurde aus akt. Anlass kurzfristig durch Dr. Kolb vertreten, CDU/CSU: Volker Kauder, Grüne: Mittelstandsbeauftragte Christine Scheel, SPD: Garrelt Duin - wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion - als Vertreter für Steinmeier, Die Linke: Dr. Gregor Gysi) 

 
Austausch/ Treffen mit anderen Wirtschaftsjunioren
 

Bei den Treffen zum offiziellen WJ- Rahmenprogramm hat man die Gelegenheit die Eindrücke und Erfahrungen mit anderen Wirtschaftsjunioren auszutauschen und zu diskutieren. Speziell die breite Streuung im Hinblick auf Fraktionen und Fachgebiete/ Ausschüsse ermöglichen hier eine noch intensivere Auseinandersetzung mit den Arbeitsinhalten und Funktionsweisen des dt. Bundestages.


 
Ein aktuelles Thema, welches speziell in dieser Sitzungswoche fraktionsübergreifend und somit auch im Kreise der Wirtschaftsjunioren kontrovers diskutiert wurde, waren die in der Fraktionssitzung (Di) anstehenden personellen Veränderungen innerhalb der FDP-Fraktion (siehe Foto Pressekonferenz Brüderle, nach der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden). 

 
Abends treffen sich die Wirtschaftsjunioren zum Teil spontan zum Essen (sofern nicht mit dem Abgeordneten auf Abendveranstaltungen unterwegs). Dabei habe ich sehr viele interessante Persönlichkeiten kennen gelernt, die ich gerne im September auf der BUKO in Mainz wieder sehe.
 
Die Welt des Bundestages
 
Beim Rundgang durch die verschiedenen Gebäude wurde ich zu Beginn meines Aufenthaltes in das weitläufige Areal des deutschen Bundestages eingeführt, welches größtenteils durch unterirdische Gänge bzw. Brücken verbunden ist. Mit dem WJ-Ausweis konnten wir uns während der gesamten Woche ohne langwierige Sicherheitskontrollen in allen Bereichen und Gebäuden des dt. Bundestages frei bewegen. Namhafte Politiker, die man sonst nur aus Funk und Fernsehen kennt trifft man im Gang, im Fahrstuhl, in Sitzungen, auf div. Veranstaltungen in ungezwungener Atmosphäre und ohne Sicherheitspersonal. Man taucht ein in eine andere Welt.

 
Der Bundestag mit eigenem Reisebüro, Reinigung, Sporthalle, Bibliothek, Kindergarten, Kantinen und Cafeterias bildet ein komplexes System, mit definierten Prozessen und festen Programmabläufen. 621 Abgeordnete mit je 2-5 eigenen Mitarbeitern, zuzüglich der Fraktionen und deren Mitarbeiter sowie derer der allgemeinen Dienste lassen auf die Größe dieser „Firma Bundestag“ schließen, welche in vielen Punkten Parallelen zur Wirtschaft aufweist, in einigen wiederum von der Arbeitsweise im Unternehmen komplett abweicht.

 
Zusammenfassung / Fazit
 
Wie soll man die Eindrücke einer solch ereignisreichen Woche am Besten kurz und knapp in Worte fassen?  
 
Auch als Politik-Interessierter Mensch, der regelmäßig Nachrichten in TV und Tageszeitung verfolgt, bringt eine Woche Bundestag live sehr viele neue Erfahrungen und intensive Auseinandersetzung mit Inhalten und Organisation der Politik mit sich. 
 
Es war für mich eine sehr lehrreiche Woche, die mir einen tiefen Einblick in die Abgeordnetenarbeit und die Arbeit des Bundestages im Allgemeinen verschafft hat. Diese einmalige Erfahrung sehe ich als eines der Highlights im Programm der WJ Deutschland, und ich kann jedem Wirtschaftsjunior nur empfehlen am KHT teilzunehmen.
 
Auf diesem Wege möchte ich nochmals Gustav Herzog und seinen Mitarbeitern Ariane Meinzer und Raschid El Khafif für den herzlichen Empfang und die intensive Betreuung während meines Berlin-Aufenthaltes bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, dass man so offen aufgenommen und einem so viel Vertrauen entgegengebracht wird. Dies haben auch die Gespräche mit anderen Wirtschaftsjunioren bestätigt.
 
Zum Abschluss noch eine Frage, die unter den teilnehmenden Wirtschaftsjunioren häufig diskutiert wurde:     
 
Wird dies der einzige Besuch des Bundestages im Rahmen des KHT bleiben?
Mindestens 90% wollen in 1-3 Jahren erneut teilnehmen.
Und ich? - Gerne wieder, jederzeit.
 
Für das nächste Jahr würde ich mir wünschen, dass mein Bericht soviel Interesse wecken konnte, um weitere Wirtschaftsjunioren aus Kaiserslautern für einen Besuch im Bundestag zu begeistern!